Offener Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner

19. September 2018

Prävention Afrikanische Schweinepest – dringender Appell für mehr Informationsarbeit

Sehr geehrte Frau Ministerin,

wir wenden uns an Sie im Rahmen Ihrer Aufgabe als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Damit tragen Sie Verantwortung für die Prävention der Afrikanischen Schweinepest; einer Tierseuche, deren Ausbreitung wir mit größter Sorge verfolgen und deren Auftreten in Deutschland nicht nur verheerende Folgen für unseren Berufsstand, sondern die Versorgung der Bevölkerung mit Schweinfleisch hätte. Ein Ausbrechen der Seuche hätte das Keulen von Beständen, das Schließen von Betrieben, Exportverbote und – so die Prognosen – Verluste in Milliardenhöhe zur Folge.

Die ersten nachgewiesenen Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Belgien zeigen, dass sich die Tierseuche weiter geografisch auf dem Vormarsch befindet. Es wird deutlich, dass der Mensch ein großes, wenn nicht sogar das größte Risiko bei der Verbreitung des Erregers darstellt. So können sich die Keime über weggeworfene, mit dem Erreger kontaminierte Lebensmittelreste leicht verbreiten und – wie hier mutmaßlich geschehen – ihren weiten Weg aus den bislang betroffenen Gebieten in Polen, der Ukraine oder Ungarn nach Belgien finden. Mit mehr als 2.000 nachgewiesenen Fällen bei Wildschweinen – über die der Erreger dann in Nutztierbestände gelangen kann – hat die Afrikanische Schweinepest seit Jahresbeginn in Mittel- und Osteuropa einen alarmierenden Grad erreicht und rückt immer näher an Deutschland heran.

Wir als Verantwortliche für Betriebe im Bereich der Ferkelzucht und Schweinemast appellieren aus diesem Grund eindringlich an Sie, die Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest – insbesondere mit Blick auf Saisonarbeiter, Pflegekräfte sowie Touristen und Speditionsmitarbeiter aus Mittel- und Osteuropa – zu intensivieren. An dieser Stelle wird unserer Einschätzung nach sowohl an den Rasthöfen und Parkplätzen der wichtigen Transitstrecken wie bei den Möglichkeiten der direkten Kommunikation mit den Beteiligten über das Internet und die sozialen Medien zu wenig getan. So haben jüngste Gespräche mit Speditionsmitarbeitern an Autobahnrasthöfen quasi folgerichtig gezeigt, dass diese nicht über die Risiken der Afrikanischen Schweinepest und ihre persönliche Verantwortung für deren Prävention informiert sind.

Das Verteilen von Flugblättern und Informationen vor Ort in Deutschland ist ein Kommunikationsweg, der gewiss nicht verkehrt ist, unserer Auffassung nach aber an der verkehrten Stelle, weil zu spät ansetzt. Es gilt, die angesprochenen Zielgruppen zu erreichen, bevor sie sich auf die jeweilige Reise machen und möglichweise kontaminierte Lebensmittel mitführen. Daher sehen wir insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrung mit eigenen Mitarbeitern über Social Media einen praktikablen und zugleich reichweitenstarken Kommunikationskanal direkt zu den betroffenen Zielgruppen. Wer gut informiert und rechtzeitig erreicht wird, lässt bedenkliche Lebensmittel gleich zu Hause!

Betriebe aus dem Bereich der Ferkelzucht und Schweinmast hatten zuletzt erklärt, sich finanziell an einer Informationskampagne über die sozialen Medien zu beteiligen, die Saisonarbeiter, Pflegekräfte, Touristen und Speditionsmitarbeiter aus den betroffenen Gebieten in ihrer Muttersprache direkt mit Informationen und Handlungsempfehlungen erreicht. Trotz der Empfehlung aus einer Bund-Länder-Tagung zum Thema ASP kam dieses Projekt nicht zur Umsetzung. Diesen Sachverhalt bedauern wir sehr und können ihn angesichts der immer akuter werdenden Bedrohungslage für die deutsche Schweinehaltung nicht nachvollziehen.

Wir appellieren daher an Sie und die Verantwortlichen auf Seiten von Politik und Verwaltung, hier die Anstrengungen zu erhöhen – und zwar jetzt! Unsere große Sorge und die anderer Branchenkollegen ist, dass das bisher an der Stelle Geleistete nicht reichen wird. Wir sind gerne bereit, unseren finanziellen Beitrag dazu zu leisten.

gez. Heiko Hofmann,
SAZA GmbH

gez. Patrick van der Akker,
Sauenhaltung Lübars KG

gez. Dr. Rudolf Lüdemann,
IDEAL-System landw. Ferkelproduktion GmbH

gez. Jörn F. Göbert,
LFD Holding GmbH

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